Tibetische Gottheiten erklärt: Welche Thangka passt zu dir?
Kunsang
„Die Gestalten auf einem Thangka sind keine Dekoration. Jede steht für eine Eigenschaft, die du in dir selbst stärken kannst.“
Wenn Kundinnen und Kunden bei uns in Bern vor den Thangkas stehen, kommt fast immer dieselbe Frage: „Wer ist das eigentlich?“ Dann erkläre ich, wofür die Gestalt steht und was man auf dem Bild entdecken kann. Hier findest du das alles in einem Artikel. Zehn Gestalten, ihre Geschichten, ihre Symbole und ein kleiner Wegweiser, welche zu dir passen könnte.
Sind das Götter?
Im Alltag sagt man oft „Götter“, im Buddhismus ist das Bild ein anderes. Es gibt keinen Schöpfergott, der die Welt lenkt. Die Gestalten auf den Thangkas sind Buddhas, Bodhisattvas und grosse Lehrer. Sie zeigen, wie ein erwachter, mitfühlender und weiser Geist aussieht. Deshalb sprechen Tibeterinnen und Tibeter auch von Gottheiten als Spiegel: Man betrachtet sie, um dieselben Eigenschaften im eigenen Geist zu wecken.
Was ist ein Thangka?
Ein Thangka ist ein tibetisches Rollbild. Das Motiv sitzt in einem Rahmen aus Brokat und wird oben und unten von einer Stange gehalten, so lässt es sich aufhängen und wieder aufrollen. Traditionell dient es als Meditationshilfe und als Erinnerung im Alltag. Unsere Rollbilder haben gedruckte Motive in Brokatrahmen, fertig zum Aufhängen.
Welche Gestalt passt zu dir?
Die Auswahl ist keine Prüfung. Frag dich einfach, was du in dieser Zeit am meisten brauchst. Tippe auf die Karte, die dich anspricht:
Shakyamuni Buddha: der historische Buddha

Shakyamuni ist Siddhartha Gautama, der Mann, der vor rund 2500 Jahren in Lumbini im heutigen Nepal geboren wurde und in Bodh Gaya unter einem Baum erwachte. Auf dem Thangka sitzt er im Lotossitz, die rechte Hand berührt die Erde, in der linken ruht die Almosenschale. Mit dieser Geste rief er die Erde als Zeugin seines Erwachens an. Das Bild steht für Boden, Beständigkeit und den Anfang des Weges.
Medizinbuddha: Heilung für Körper und Geist

Der Medizinbuddha (tibetisch Sangye Menla) wird in tiefem Lapislazuli-Blau dargestellt. In der linken Hand hält er eine Schale mit Heilnektar, in der rechten die Myrobalane, eine Heilpflanze, die in der tibetischen Medizin eine grosse Rolle spielt. Zu ihm wenden sich Menschen, die an Gesundheit denken, für sich selbst oder für Menschen, die ihnen am Herzen liegen. Ein Thangka ersetzt keine ärztliche Behandlung. Es ist ein Bild, das an Fürsorge erinnert.
Grüne Tara: schnelle Hilfe und Schutz

Tara (tibetisch Dolma) ist die weibliche Buddha des Mitgefühls in Tat. Der Überlieferung nach entstand sie aus einer Träne von Chenrezig, der sah, wie viel Leid es auf der Welt gibt. Die Grüne Tara sitzt mit einem ausgestreckten Bein, als stünde sie gleich auf, um zu helfen. Tibeterinnen und Tibeter rufen sie bei Ängsten und Gefahren an, auf Reisen und in schwierigen Momenten. Sie ist eine der beliebtesten Gestalten im ganzen Land.
Weisse Tara: Gelassenheit und langes Leben

Die Weisse Tara steht für Ruhe, Gesundheit und ein langes Leben. Sie hat sieben Augen: zwei im Gesicht, dazu eines auf der Stirn und je eines in den Handflächen und auf den Fusssohlen. Sie sehen alles Leid, auch das, was man sonst übersieht. Ihr Licht ist sanft und weiss wie Mondschein. Das Bild eignet sich für Räume, in denen du zur Ruhe kommen willst, etwa im Schlafzimmer oder im Meditationsraum.
Chenrezig: das Mitgefühl aller Buddhas

Chenrezig (Sanskrit Avalokiteshvara) verkörpert das Mitgefühl aller Buddhas. Auf dem Thangka hat er vier Arme: Zwei Hände liegen vor dem Herzen und halten ein wunscherfüllendes Juwel, die anderen halten eine Gebetskette und eine Lotosblume. Er ist der Schutzherr Tibets. Der Dalai Lama gilt in der Tradition als seine Emanation. Sein Mantra ist wohl das bekannteste der Welt und steht auch auf vielen Gebetsmühlen und Fahnen.
Manjushri: Weisheit und klares Denken

Manjushri ist der Bodhisattva der Weisheit. In der erhobenen rechten Hand hält er das Flammenschwert, das Unwissen durchschneidet. Neben ihm blüht eine Lotosblume mit dem Buch der Weisheit. Studierende und alle, die sich konzentrieren wollen, wenden sich gerne an ihn. Ein schönes Geschenk für Menschen, die gerade lernen.
Guru Rinpoche: der Lotosgeborene

Guru Rinpoche, auch Padmasambhava genannt, brachte im 8. Jahrhundert die tantrische Lehre des Buddha nach Tibet. Sein Name bedeutet „der Lotosgeborene“. In der rechten Hand hält er einen Vajra, in der linken eine Schädelschale mit einer Vase des langen Lebens. In der Armbeuge ruht sein Stab. Er gilt als Überwinder von Hindernissen. Viele Menschen stellen ihn sich an die Seite, wenn etwas Neues beginnt.
Gelber Dzambhala: Fülle und Grosszügigkeit

Dzambhala gehört zu den Reichtumsgottheiten. In der Hand hält er einen Mungo, der Juwelen ausspuckt. Das Bild meint Fülle im weiteren Sinn: genug haben, dankbar sein und gerne teilen. Ein Versprechen auf Geld ist das nicht. Wer ihn aufhängt, erinnert sich an die Grosszügigkeit, die Fülle erst entstehen lässt.
Je Tsongkhapa: der Gelehrte mit der gelben Mütze

Je Tsongkhapa (1357–1419) war ein grosser Gelehrter und der Begründer der Gelug-Schule, der später auch der Dalai Lama angehört. Er gründete das Kloster Ganden und schrieb Werke über den schrittweisen Weg zum Erwachen. Man erkennt ihn an der spitzen gelben Mütze und den Händen in der Lehrgeste. Er steht für Studium, Disziplin und einen klaren Weg.
Je Tsongkhapa Thangka ansehenMilarepa: der Yogi, der den Weg ging

Milarepa (11./12. Jahrhundert) ist einer der beliebtesten Yogis und Dichter Tibets. Seine Geschichte macht Mut: Er lebte jahrelang als Einsiedler in den Bergen und ernährte sich der Überlieferung nach von Brennnesseln, bis seine Haut grünlich wurde. Seine Lieder sind bis heute bekannt. Auf dem Thangka sitzt er mit einer Schale Brennnesseln auf einem Fell. Unten siehst du den Jäger mit seinem Bogen, den Hund und den Hirsch. Der Legende nach wurde der Jäger später sein Schüler.
Milarepa Thangka ansehenSo hängst du ein Thangka auf
Traditionell hängt man ein Thangka auf Augenhöhe oder höher an einen ruhigen, sauberen Ort, nicht im Bad oder WC und nicht auf den Boden. Eine Wand ohne direkte Sonne schont die Farben. Du brauchst nur einen Haken.
Weitere Grössen und Motive findest du in der Kollektion Thangkas. Zum Mantra passt ein Mala zum Mitzählen und Räucherwerk für den Abend.
Häufige Fragen
Muss ich Buddhistin oder Buddhist sein, um ein Thangka aufzuhängen?Nein. Viele Menschen hängen ein Thangka auf, weil das Motiv sie anspricht oder sie an eine Eigenschaft erinnert. Wichtig ist, dass du es mit Respekt behandelst.
Welche Gestalt soll ich als Erstes wählen?Nimm die, bei der du beim Betrachten innerlich ruhiger wirst. Das ist wichtiger als jede Regel.
Sind eure Thangkas handgemalt?Unsere Rollbilder haben gedruckte Motive, gefasst in Brokat und mit Stange. Das macht sie gut erschwinglich und sofort aufhängbar.
Welche Grösse passt in meine Wohnung?Die grossen Modelle messen 73 x 95 cm und brauchen eine freie Wand, etwa über dem Sofa oder der Kommode. Die kleineren mit 61 x 71 cm passen gut in Nischen oder neben ein Regal.
Möchtest du die Thangkas lieber persönlich ansehen? Du findest uns in der Kramgasse 63 in Bern.